Auf nach Teneriffa

Nachdem wir insgesamt 44 Tage in portugiesischen Gewässern unterwegs waren starteten wir am 02.11. zu unserem letzten Törn für das Jahr 2016. Wir setzten gegen 10:00 Uhr auf Madeira die Segel mit dem Ziel Santa Cruz de Tenerife. Die Distanz beträgt 260 Seemeilen und wir planten gute 2 Tage für die Überfahrt ein. Anfangs hatten wir zwischen 15 und 20 Knoten (ca. 35 km/h) Wind aus WSW und so sind wir mit viel Speed in Richtung Süden gesegelt.

Nach ein paar Stunden bemerkte ich dass aus dem Schrank auf der Steuerbord Seite Wasser läuft. Es war zum Glück nur sehr wenig aber es schmeckte nach Salz. Und Salzwasser gehört nun mal definitiv nicht in den Innenraum unserer mora. Als Ursache für das kleine Leck war schnell die Mittelklampe (= dickes Teil aus Alu zum Festknoten des Schiffes an Land) auf der Steuerbordseite gefunden. All der Schwell und das Gezerre an den Klampen in den letzten Monaten war wohl doch etwas zu viel für die Dichtungsmasse. Die Belastungen für Material und Schiff sind hier im Atlantik eine Nummer größer als in unserer kleinen Ostsee. 🙁 So habe ich in den nächsten Wochen mal wieder was zu reparieren.

Der Rest von Tag eins der Überfahrt verlief recht unspektakulär. Der gute Wind hielt sich auch noch an Tag zwei und so konnten wir zu Mittag ein Etmal von 130 Meilen im Logbuch vermerken. Nicht so schlecht für unser voll beladenes Boot. 🙂 Den Großteil der Strecke hat unser Windpilot gesteuert. Eine super Erfindung welche das Schiff durch die Kraft von Wasser und Wind auf Kurs hält. Dabei segelt das Schiff immer in einem bestimmtem Winkel zum Wind. Wir brauchen nur noch hin und wieder prüfen ob die mora in die gewollte Richtung unterwegs ist. Denn wenn sich die Windrichtung ändert, ändert sich auch automatisch der Kurs den unser Windpilot steuert. Aber auf der Fahrt nach Teneriffa war die Windrichtung stabil. Nicht so die Windgeschwindigkeit.

In der zweiten Nacht lag ich in der Koje und träumte schon von einem leckerem Anlegebier. In meinem Traum schoss das Bier nur so mit lautem Getöse durch die Zapfanlage. Aber leider war es nicht das Bier aus meinem Traum sondern das Wasser am Rumpf welches die Geräusche machte. In dem Moment meldete sich Moni damit ich ihr im Dunkeln der Nacht beim Reffen (=Verkleinern der Segelfläche) helfen kann. Keine so schlechte Idee bei 30 Knoten Wind. So bin ich dann in aller Eile -nur mit Unterhose, Stirnlampe und Rettungsweste bekleidet- zum Mast geturnt und habe unser Großsegel um 2/3 eingerollt. Kurzzeitig hat diese kleine Segelgarderobe noch für 8 kn Speed gereicht bevor der Wind dann keine Lust mehr hatte und später ganz eingeschlafen ist. Also zuerst alle Segel wieder ausgerefft und dann ganz ohne Wind mit dem Motor durch die Nacht getuckert. Zu unserer großen Freude zog noch ein Gewitter hinter uns durch. Alles Sachen die wir so nicht bestellt hatten. 🙁 Leider kam der Wind nun auch nur noch ganz schwach aus Nord und wir sind bis auf eine kurze Kaffee Pause den Rest der Strecke Motor.

An der östlichen Spitze von Teneriffa begegnete uns am Morgen die Alexander von Humboldt II. Ihr kennt sicher noch die Vorgängerin aus der Becks Werbung. Also war mein Traum mit dem Bier doch nicht ganz so weit hergeholt…

Gegen 11:00 Uhr hat Moni die portugiesische gegen die spanische Gastlandflagge getauscht. Das Land der Tapas und Cañas hat uns wieder. Kurz nach 13:00 Uhr lagen wir fest im Hafen von Santa Cruz de Tenerife. Das waren die letzten von insgesamt 2564 Seemeilen im Jahr 2016. Hier bleiben wir nun bis es Anfang 2017 über den großen Teich nach Barbados geht. Bis dahin stehen ein paar kleinere Projekte am Boot an, es sind einige Reparaturen abzuarbeiten, Besuch ist im Anmarsch und hoffentlich können wir uns ganz viel Zeit für die Erkundung der Insel nehmen.

Bis die Tage…

kurz nach dem Start funke ich mit der svea und wir planen den Kurs für die nächsten Stunden

kurz nach dem Start funke ich mit der svea und wir planen den Kurs für die nächsten Stunden

wie Zwillinge rauschen unsere beiden Schiffe durch den Atlantik

wie Zwillinge rauschen unsere beiden Schiffe durch den Atlantik

ganz viel Freude im Gesicht :-)

ganz viel Freude im Gesicht 🙂

zum Sonnenuntergang sind wir noch immer in Sichtweite der svea - an Tag 2 trennen uns nach 150 sm nur gut 1 Kilometer

zum Sonnenuntergang sind wir noch immer in Sichtweite der svea – an Tag 2 trennen uns nach 150 sm nur gut 1 Kilometer

das Bier-Schiff aus meinem Traum ist Wirklichkeit geworden

das Bier-Schiff aus meinem Traum ist Wirklichkeit geworden

die nächste Gastlandflagge ist die von Barbados

die nächste Gastlandflagge ist die von Barbados

Waschtag kurz nach der Ankunft

Waschtag kurz nach der Ankunft

kleinere Schäden werden sofort begutachtet und repariert

kleinere Schäden werden sofort begutachtet und repariert

auch die Großen müssen ihre Segel trocknen

auch die Großen müssen ihre Segel trocknen

Eingang zum Wochenmarkt  in Santa Cruz de Tenerife

Eingang zum Wochenmarkt in Santa Cruz de Tenerife

Terminal vom Busbahnhof - hier empfangen wir unseren Besuch

Terminal vom Busbahnhof – hier empfangen wir unseren Besuch

5 Gedanken zu „Auf nach Teneriffa

  1. Claudia

    Da macht man nichts böses ahnend Mittagspause und denkt sich, schau ich doch mal wieder bei Ralph + Moni vorbei – und schwups schon wieder ein toller Bericht mit noch tolleren Bildern…
    Immer wieder schön!
    Bis bald Ihr Lieben

    Frostige Grüße aus der Heimat
    Claudia

    Antworten
  2. 2 Rad Vagabund

    Hallo ihr zwei,
    da war ja mal was los bei der Überfahrt.
    Aber wo ist das Bild von Ralph wie er nur in Unterhose, Stirnlampe und Rettungsweste an Deck war 🙂 .
    Langeweile habt ihr ja wohl an Land auch nicht. Hier was flicken das was schrauben.
    Dafür habt ihr besser Wetter als wir daheim gebliebenen.
    Auch ja noch mal danke für die Übersetzungen in Landratten Sprache.
    Macht weiter so tolle Bilder und kurzweilige Berichte.
    Gruß von den
    2 Rad Vagabunden

    Antworten
  3. Andrea

    Hallöchen ihr Weltenbummler
    Das stimmt das Bild mit Unterhose hätte ich auch gerne gesehen. Aber ihr habt ja schon wieder einiges erlebt, immer wieder gibts was neues was kaputt gehen kann, aber natürlich nicht soll,jetzt könnt ihr euch erst mal erholen, und auf die vielen Besucher freuen, ich drücke euch bis bald liebe Grüße Andrea und co

    Antworten
  4. Brigitte Lindenberg

    Hallo Moni, hallo Ralph,

    Claudia hat mir viel von Ihnen und Ihren Reisen erzahlt und ich lese mit Interesse
    Ihre Kommentare und sehe mir die Bilder an. Ich bin fasziniert von dem was
    Sie tun und bewundere und beneide Sie.
    Wenn Claudia zurück ist muß sie mir viel erzählen.l

    Alles Gute und viele Grüße aus Solingen
    von Brigitte Lindenberg

    Alles Gute und viele Grüße aus
    dem sonnigen, aber kalten Solingen
    von Brigitte Lindenberg

    Antworten
  5. Rainer Schillinger

    Hallo Ihr Lieben,

    mal wider vielen Dank für den Bericht und die Fotos. Ist eine schöne Abwechslung im Einheitsgrau und Dauerregen bei uns in NRW. Schön auch das Ihr das Gewitter nur von hinten gesehen habt 🙂
    Genießt die Zeit als Landratten, danach kommt wieder die Zeit der Wasserratten.

    Bis bald Rainer

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.